Embryoscope


Videoüberwachung der kultivierten Embryonen mit dem sog. Embryoscope – Verbesserung der Schwangerschaftsrate bislang nicht bewiesen

 

 

Seit einigen Jahren findet in reproduktionsmedizinischen Laboratorien der Einsatz des sog. Embryoscope zunehmend Verbreitung. Es handelt sich hierbei um einen Brutschrank mit integriertem Mikroskop und Bilderfassungssystem, das die kultivierten Embryonen in kurzen Zeitintervallen (alle 20 Minuten) fotografiert und somit gleichsam eine Videobetrachtung des Wachstums und der Teilung der Embryonen ermöglicht. Diese neue Technik ist vom wissenschaftlichen Standpunkt aus gesehen höchst interessant, da sie bislang nicht mögliche Einblicke in das Teilungsverhalten der Embryonen ermöglicht. Beispielsweise zeigen Embryonen, die sich zu einer vollen Blastozyste am Tag 5 der Embryokultur entwickeln, auch ein rasches Teilungsverhalten in frühen Stadien und erreichen etwa das 8-Zellstadium schneller als es bei Embryonen der Fall ist, die im Laufe der späteren Entwicklung zur Blastozyste degenerieren und sich nicht weiterentwickeln. Bekanntlich besitzt eine volle und sich entwickelnde Blastozyste eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit, nach dem Transfer sich zu implantieren und zum Eintritt einer klinischen Schwangerschaft zu führen.

 

Während somit der wissenschaftliche Erkenntnisgewinn durch die Anwendung dieser kontinuierlichen Videoaufnahmen während der Embryonalentwicklung unbestritten ist, ist es nach wie vor offen ob in der täglichen Behandlungspraxis aus der Anwendung dieser Methode für das betroffene Paar ein messbarer Vorteil im Hinblick auf eine erhöhte Implantations- und Schwangerschaftsrate resultiert. Im Internet wird von einer Reihe von Kinderwunsch-Zentren die Anwendung des sog. Embryoscope in der Behandlungspraxis der extrakorporalen Befruchtung auch außerhalb von wissenschaftlichen Fragestellungen angepriesen. Die Anwendung des Embryoscope bei der IVF- oder ICSI-Behandlung zählt nicht zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung, so dass die Kosten von dem betreffenden Paar selbst getragen werden müssen. Beispielsweise ist im Internet zu lesen, dass es sich beim Embryoscope um „eine bahnbrechende Neuentwicklung“ handele die „als Standard zukünftig in allen reproduktionsmedizinischen Laboratorien eingeführt‘“ werden solle, da „die kontinuierliche Entwicklungsanalyse und die ungestörte Kultur des Embryo  zu einem optimalen Behandlungsergebnis führen“ (Zitate aus den Internetpräsentationen verschiedener deutscher Kinderwunsch-Zentren).

 

Jedoch lässt das Studium der aktuellen wissenschaftlichen Literatur erhebliche Zweifel aufkommen, ob die Anwendung des sog. Embryoscope in der täglichen Praxis der Behandlung und von wissenschaftlichen Fragestellungen einmal bewusst abgesehen die Implantations- und Schwangerschaftsrate tatsächlich verbessert. Auch bei der bisher durchgeführten konventionellen Embryokultur wird der sich entwickelnde Embryo am Tag 2 und 3 betrachtet und sein Teilungsverhalten und –geschwindigkeit bewertet. Tatsächlich finden sich in der aktuellen wissenschaftlichen Literatur durchaus Meinungen, die keinen Vorteil in der Anwendung des Embryoscope für die genaue Bewertung des Teilungsverhaltens des kultivierten Embryo sehe, da auch die bisherige Praxis der Betrachtung und Bewertung des Teilungsverhaltens des Embryo für die Einschätzung seines Entwicklungspotentials ausreicht („conventional observation times on day 2 and 3 are appropriate for accurate embryo evaluation“ – 1). Bei einer prospektiven Vergleichsstudie ließen sich keine Unterschiede feststellen in der Rate an Blastozystenbildung und Rate an weiterlaufenden Schwangerschaften pro Embryotransfer, wenn die Embryonen entweder im sog. Embryoscope oder in einem standardmäßigen Brutschrank kultiviert wurden (2).  Der behauptete Vorteil der Anwendung des sog. Embryoscope in der täglichen Praxis der extrakorporalen Befruchtung ist somit auf dem derzeitigen Stand mit einem großen Fragezeichen zu versehen, was den Vorteil für das betroffene Paar im Hinblick auf die Verbesserung der Schwangerschaftsrate betrifft. Offenbar wird dieses auch von anderen wissenschaftlichen Autoren so gesehen, die im Titel ihrer Veröffentlichung den angenommenen Nutzeffekt des sog. Embryoscope ebenfalls mit einem Fragezeichen versehen haben (3). Wir beobachten am Kinderwunsch-Zentrum Mainz diese Entwicklung mit großem Interesse, haben uns aber aufgrund des bislang unbewiesenen Nutzeffektes für das betroffene Paar mit Kinderwunsch bislang nicht dazu entschließen können, diese zusätzliche Untersuchungsmethode auf Selbstzahlerbasis anzubieten.

 

Literatur. (1) Dal Canto M et al. Cleavage kinetics analysis of human embryos predicts development to blastocyst stage and implantation. Reprod Biomed Online 2012; 25: 474 – 480. (2) Cruz M et al. Embryo quality, blastocyst and ongoing pregnancy rates in oocyte donation patients whose embryos were monitored by time-lapse imaging. J Assist Reprod Genet 2011; 28: 569 – 573. (3) Freour T et al. L’observation en continu du développement embryonnaire en FIV (time lapse) á l’aide de l’Embryoscope: un outil d’aide à la décision? Gynecol Obstet Fertil 2012; 40: 476 – 480.       

 




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Seit einigen Jahren findet in reproduktionsmedizinischen Laboratorien der Einsatz des sog. Embryoscope zunehmend Verbreitung. Es handelt sich hierbei um einen Brutschrank mit integriertem Mikroskop und Bilderfassungssystem, das die kultivierten Embryonen in kurzen Zeitintervallen (alle 20 Minuten) fotografiert und somit gleichsam eine Videobetrachtung des Wachstums und der Teilung der Embryonen ermöglicht. Diese neue Technik ist vom wissenschaftlichen Standpunkt aus gesehen höchst interessant, da sie bislang nicht mögliche Einblicke in das Teilungsverhalten der Embryonen ermöglicht. Beispielsweise zeigen Embryonen, die sich zu einer vollen Blastozyste am Tag 5 der Embryokultur entwickeln, auch ein rasches Teilungsverhalten in frühen Stadien und erreichen etwa das 8-Zellstadium schneller als es bei Embryonen der Fall ist, die im Laufe der späteren Entwicklung zur Blastozyste degenerieren und sich nicht weiterentwickeln. Bekanntlich besitzt eine volle und sich entwickelnde Blastozyste eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit, nach dem Transfer sich zu implantieren und zum Eintritt einer klinischen Schwangerschaft zu führen.

 

Während somit der wissenschaftliche Erkenntnisgewinn durch die Anwendung dieser kontinuierlichen Videoaufnahmen während der Embryonalentwicklung unbestritten ist, ist es nach wie vor offen ob in der täglichen Behandlungspraxis aus der Anwendung dieser Methode für das betroffene Paar ein messbarer Vorteil im Hinblick auf eine erhöhte Implantations- und Schwangerschaftsrate resultiert. Im Internet wird von einer Reihe von Kinderwunsch-Zentren die Anwendung des sog. Embryoscope in der Behandlungspraxis der extrakorporalen Befruchtung auch außerhalb von wissenschaftlichen Fragestellungen angepriesen. Die Anwendung des Embryoscope bei der IVF- oder ICSI-Behandlung zählt nicht zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung, so dass die Kosten von dem betreffenden Paar selbst getragen werden müssen. Beispielsweise ist im Internet zu lesen, dass es sich beim Embryoscope um „eine bahnbrechende Neuentwicklung“ handele die „als Standard zukünftig in allen reproduktionsmedizinischen Laboratorien eingeführt‘“ werden solle, da „die kontinuierliche Entwicklungsanalyse und die ungestörte Kultur des Embryo  zu einem optimalen Behandlungsergebnis führen“ (Zitate aus den Internetpräsentationen verschiedener deutscher Kinderwunsch-Zentren).

 

Jedoch lässt das Studium der aktuellen wissenschaftlichen Literatur erhebliche Zweifel aufkommen, ob die Anwendung des sog. Embryoscope in der täglichen Praxis der Behandlung und von wissenschaftlichen Fragestellungen einmal bewusst abgesehen die Implantations- und Schwangerschaftsrate tatsächlich verbessert. Auch bei der bisher durchgeführten konventionellen Embryokultur wird der sich entwickelnde Embryo am Tag 2 und 3 betrachtet und sein Teilungsverhalten und –geschwindigkeit bewertet. Tatsächlich finden sich in der aktuellen wissenschaftlichen Literatur durchaus Meinungen, die keinen Vorteil in der Anwendung des Embryoscope für die genaue Bewertung des Teilungsverhaltens des kultivierten Embryo sehe, da auch die bisherige Praxis der Betrachtung und Bewertung des Teilungsverhaltens des Embryo für die Einschätzung seines Entwicklungspotentials ausreicht („conventional observation times on day 2 and 3 are appropriate for accurate embryo evaluation“ – 1). Bei einer prospektiven Vergleichsstudie ließen sich keine Unterschiede feststellen in der Rate an Blastozystenbildung und Rate an weiterlaufenden Schwangerschaften pro Embryotransfer, wenn die Embryonen entweder im sog. Embryoscope oder in einem standardmäßigen Brutschrank kultiviert wurden (2).  Der behauptete Vorteil der Anwendung des sog. Embryoscope in der täglichen Praxis der extrakorporalen Befruchtung ist somit auf dem derzeitigen Stand mit einem großen Fragezeichen zu versehen, was den Vorteil für das betroffene Paar im Hinblick auf die Verbesserung der Schwangerschaftsrate betrifft. Offenbar wird dieses auch von anderen wissenschaftlichen Autoren so gesehen, die im Titel ihrer Veröffentlichung den angenommenen Nutzeffekt des sog. Embryoscope ebenfalls mit einem Fragezeichen versehen haben (3). Wir beobachten am Kinderwunsch-Zentrum Mainz diese Entwicklung mit großem Interesse, haben uns aber aufgrund des bislang unbewiesenen Nutzeffektes für das betroffene Paar mit Kinderwunsch bislang nicht dazu entschließen können, diese zusätzliche Untersuchungsmethode auf Selbstzahlerbasis anzubieten.

 

Literatur. (1) Dal Canto M et al. Cleavage kinetics analysis of human embryos predicts development to blastocyst stage and implantation. Reprod Biomed Online 2012; 25: 474 – 480. (2) Cruz M et al. Embryo quality, blastocyst and ongoing pregnancy rates in oocyte donation patients whose embryos were monitored by time-lapse imaging. J Assist Reprod Genet 2011; 28: 569 – 573. (3) Freour T et al. L’observation en continu du développement embryonnaire en FIV (time lapse) á l’aide de l’Embryoscope: un outil d’aide à la décision? Gynecol Obstet Fertil 2012; 40: 476 – 480.       

 




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Seit einigen Jahren findet in reproduktionsmedizinischen Laboratorien der Einsatz des sog. Embryoscope zunehmend Verbreitung. Es handelt sich hierbei um einen Brutschrank mit integriertem Mikroskop und Bilderfassungssystem, das die kultivierten Embryonen in kurzen Zeitintervallen (alle 20 Minuten) fotografiert und somit gleichsam eine Videobetrachtung des Wachstums und der Teilung der Embryonen ermöglicht. Diese neue Technik ist vom wissenschaftlichen Standpunkt aus gesehen höchst interessant, da sie bislang nicht mögliche Einblicke in das Teilungsverhalten der Embryonen ermöglicht. Beispielsweise zeigen Embryonen, die sich zu einer vollen Blastozyste am Tag 5 der Embryokultur entwickeln, auch ein rasches Teilungsverhalten in frühen Stadien und erreichen etwa das 8-Zellstadium schneller als es bei Embryonen der Fall ist, die im Laufe der späteren Entwicklung zur Blastozyste degenerieren und sich nicht weiterentwickeln. Bekanntlich besitzt eine volle und sich entwickelnde Blastozyste eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit, nach dem Transfer sich zu implantieren und zum Eintritt einer klinischen Schwangerschaft zu führen.

 

Während somit der wissenschaftliche Erkenntnisgewinn durch die Anwendung dieser kontinuierlichen Videoaufnahmen während der Embryonalentwicklung unbestritten ist, ist es nach wie vor offen ob in der täglichen Behandlungspraxis aus der Anwendung dieser Methode für das betroffene Paar ein messbarer Vorteil im Hinblick auf eine erhöhte Implantations- und Schwangerschaftsrate resultiert. Im Internet wird von einer Reihe von Kinderwunsch-Zentren die Anwendung des sog. Embryoscope in der Behandlungspraxis der extrakorporalen Befruchtung auch außerhalb von wissenschaftlichen Fragestellungen angepriesen. Die Anwendung des Embryoscope bei der IVF- oder ICSI-Behandlung zählt nicht zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung, so dass die Kosten von dem betreffenden Paar selbst getragen werden müssen. Beispielsweise ist im Internet zu lesen, dass es sich beim Embryoscope um „eine bahnbrechende Neuentwicklung“ handele die „als Standard zukünftig in allen reproduktionsmedizinischen Laboratorien eingeführt‘“ werden solle, da „die kontinuierliche Entwicklungsanalyse und die ungestörte Kultur des Embryo  zu einem optimalen Behandlungsergebnis führen“ (Zitate aus den Internetpräsentationen verschiedener deutscher Kinderwunsch-Zentren).

 

Jedoch lässt das Studium der aktuellen wissenschaftlichen Literatur erhebliche Zweifel aufkommen, ob die Anwendung des sog. Embryoscope in der täglichen Praxis der Behandlung und von wissenschaftlichen Fragestellungen einmal bewusst abgesehen die Implantations- und Schwangerschaftsrate tatsächlich verbessert. Auch bei der bisher durchgeführten konventionellen Embryokultur wird der sich entwickelnde Embryo am Tag 2 und 3 betrachtet und sein Teilungsverhalten und –geschwindigkeit bewertet. Tatsächlich finden sich in der aktuellen wissenschaftlichen Literatur durchaus Meinungen, die keinen Vorteil in der Anwendung des Embryoscope für die genaue Bewertung des Teilungsverhaltens des kultivierten Embryo sehe, da auch die bisherige Praxis der Betrachtung und Bewertung des Teilungsverhaltens des Embryo für die Einschätzung seines Entwicklungspotentials ausreicht („conventional observation times on day 2 and 3 are appropriate for accurate embryo evaluation“ – 1). Bei einer prospektiven Vergleichsstudie ließen sich keine Unterschiede feststellen in der Rate an Blastozystenbildung und Rate an weiterlaufenden Schwangerschaften pro Embryotransfer, wenn die Embryonen entweder im sog. Embryoscope oder in einem standardmäßigen Brutschrank kultiviert wurden (2).  Der behauptete Vorteil der Anwendung des sog. Embryoscope in der täglichen Praxis der extrakorporalen Befruchtung ist somit auf dem derzeitigen Stand mit einem großen Fragezeichen zu versehen, was den Vorteil für das betroffene Paar im Hinblick auf die Verbesserung der Schwangerschaftsrate betrifft. Offenbar wird dieses auch von anderen wissenschaftlichen Autoren so gesehen, die im Titel ihrer Veröffentlichung den angenommenen Nutzeffekt des sog. Embryoscope ebenfalls mit einem Fragezeichen versehen haben (3). Wir beobachten am Kinderwunsch-Zentrum Mainz diese Entwicklung mit großem Interesse, haben uns aber aufgrund des bislang unbewiesenen Nutzeffektes für das betroffene Paar mit Kinderwunsch bislang nicht dazu entschließen können, diese zusätzliche Untersuchungsmethode auf Selbstzahlerbasis anzubieten.

 

Literatur. (1) Dal Canto M et al. Cleavage kinetics analysis of human embryos predicts development to blastocyst stage and implantation. Reprod Biomed Online 2012; 25: 474 – 480. (2) Cruz M et al. Embryo quality, blastocyst and ongoing pregnancy rates in oocyte donation patients whose embryos were monitored by time-lapse imaging. J Assist Reprod Genet 2011; 28: 569 – 573. (3) Freour T et al. L’observation en continu du développement embryonnaire en FIV (time lapse) á l’aide de l’Embryoscope: un outil d’aide à la décision? Gynecol Obstet Fertil 2012; 40: 476 – 480.