Standort : Folsäure /

Viele Fehlbildungen ließen sich vermeiden - doch für die meisten Frauen ist Folsäure-Prophylaxe ein Fremdwort



Von Christiane Inholte


Prophylaxe kann so einfach sein: Mit etwa 400 µg Folsäure pro Tag für mindestens vier Wochen vor und zwölf Wochen nach Beginn einer Schwangerschaft können Neuralrohrdefekte bei Kindern verhindert werden. In Deutschland empfehlen Fachgesellschaften seit mehr als zehn Jahren eine perikonzeptionelle Folsäure-Prophylaxe. Trotzdem nimmt die Zahl der Fehlbildungen nicht ab. Denn nur wenige Frauen schützen tatsächlich ihr Ungeborenes durch eine Supplementierung.

Der Bundesrat will, dass Kassen die Supplementierung bezahlen


Aus diesem Grund hat der Bundesrat Ende vergangenen Jahres den Beschluss gefasst, den Bundestag zur Verbesserung der Folsäure-Versorgung aufzufordern. Die drei wichtigsten Beschlüsse des Bundesrates sind:
  • Die Bundesregierung soll die Bevölkerung durch Informationskampagnen über die Folgen von Folsäuremangel aufklären - mit Schwerpunkt auf die Gefahr von Folsäuremangel in der Frühschwangerschaft.
  • Derzeit übernehmen die Krankenkassen die Kosten für die Folsäuresupplementierung nur dann, wenn eine Mutter schon ein Kind mit Neuralrohrdefekt geboren hat. Der Bundesrat fordert eine generelle Kostenübernahme der Prophylaxe für mindestens vier Wochen vor bis zwölf Wochen nach der Empfängnis.
  • Weiterhin schlägt der Bundesrat Verhandlungen mit der Industrie vor: In den Beipackzetteln der Empfängnisverhütungsmittel sollte vermerkt werden, dass beim Absetzen der Präparate und bei Kinderwunsch auf eine ausreichende Folsäurezufuhr zu achten ist.

Gründe für den Beschluss sind etwa Zahlen wie die aus Sachsen-Anhalt: 2004 wurde dort bei einem von 972 Neugeborenen oder Aborten eine Spina bifida festgestellt. In den Jahren 1994 bis 2003 war das nur bei einem von 1824 Neugeborenen oder Aborten der Fall, geht aus dem Jahresbericht des Fehlbildungsmonitoring Sachsen-Anhalt hervor. Nach Schätzungen der Uni Mainz kommen pro Jahr in Deutschland etwa 1600 Babys mit solchen Fehlbildungen zur Welt.
Folsäure-Mangel wird zudem mit anderen Fehlbildungen in Verbindung gebracht. So hat eine aktuelle Fall-Kontroll-Studie ergeben, dass ein Mangel in der Frühschwangerschaft Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten zur Folge haben kann.
Für diese Studie haben Kollegen in Norwegen mehr als fünf Jahre die Daten von Neugeborenen dokumentiert (BMJ Online). Ausgewertet wurden letztlich Angaben zu 573 Neugeborenen mit Lippen- oder Gaumen-Spalte und von 763 gesunden Säuglingen. Ergebnis: Das Risiko für eine Lippen- oder Gaumen-Spalte ist um etwa ein Drittel reduziert, wenn Schwangere täglich mindestens 400 µg Folsäure einnehmen.
Nach Angaben des Ernährungsberichts 2000 nehmen aber nur 55 Prozent der Frauen die empfohlene Folsäuremenge von 400 µg Folsäure pro Tag über die Nahrung ein. Bei Männern sind es immerhin 61 Prozent. In der Schwangerschaft steigt der Verbrauch zudem auf 600 µg - diese Menge nimmt nur jede zehnte Schwangere über Lebensmittel zu sich.
Lebensmittel wie Kohl, Broccoli und Feldsalat, aber auch Fenchel, Spinat, Spargel, Vollkornprodukte, Sauerkraut und Kartoffeln erhalten zwar viel Folsäure; der Körper kann aber nur einen Teil davon verwerten. Außerdem ist Folsäure in Gemüse, Obst und Getreide ausgesprochen hitze- und lichtempfindlich und geht bei langem Kochen der Lebensmittel verloren.

Nur sieben Prozent der Frauen machen Folsäure-Prophylaxe


Der Folsäure-Mangel lässt sich durch die Substitution mit synthetischer Folsäure beheben. Doch Untersuchungen in Sachsen-Anhalt haben ergeben, dass nur sieben Prozent der Frauen mit Kinderwunsch der Folsäure-Prophylaxe nachkommen. Das liegt wohl auch daran, dass die wenigsten schon einmal von Folsäure gehört haben. So hat eine repräsentative Befragung von über 4300 Schülern der Oberstufe in Sachsen-Anhalt ergeben, dass nur 4,5 Prozent der Befragten wussten, dass Folsäure ein Vitamin ist. Nur 0,7 Prozent wussten, dass eine Mangel zu Fehlbildungen führen kann. Hinzu kommt, dass Kollegen Folsäure nur als Privat- oder Grünes Rezept ausstellen können und werdende Mütter die Kosten - sechs bis sieben Euro pro Monat - selbst tragen müssen.

Folsäure im Mehl senkt die Rate von Fehlbildungen


Zur Prophylaxe mit Tabletten gibt es aber auch Alternativen: "Die Folsäure-Versorgung der Bevölkerung könnte am einfachsten verbessert werden, wenn bestimmte Grundnahrungsmittel mit Folsäure angereichert würden, so wie es in vielen Ländern der Welt bereits geschieht", so Professor Berthold Koletzko vom Arbeitskreis "Folsäure und Gesundheit".
In den USA etwa werden bereits seit neun Jahren standardisierte Mehle, Brote, Brötchen, Frühstückscerealien, Reis- und Nudelprodukte zusätzlich mit Folsäure angereichert. Mehrere Studien belegen den Rückgang der Fehlbildungen. So ergab etwa eine Studie, dass die Zahl der Spinae bifidae seit Anreicherung der Nahrungsmittel um 31 Prozent zurückgegangen ist (Teratology 66, 2002, 33). Auch in Kanada gibt es seit Einführung der Nahrungsmittel-Anreicherung einen starken Rückgang von Fehlbildungen. In einer Studie wurden von knapp 337 000 Frauen über 77 Monate Daten erhoben. Die Zahl der Neuralrohrdefekte sank von 1,13 pro 1000 Schwangeren vor der Anreicherung auf 0,58 pro 1000 Schwangere nach dem Zusatz von Folsäure (Lancet 360, 2002, 2047).
Überträgt man diese Zahlen auf Deutschland, könnte nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) pro Jahr 770 Babys das Schicksal einer Behinderung wegen Folsäuremangels erspart bleiben, wenn man Nahrungsmittel mit dem Vitamin anreichert. Die DGE spricht sich deshalb für eine solche Anreicherung in den Bäcker-Mehltypen 550 und 630 aus.

Quelle: Ärzte Zeitung 26.2.07




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Viele Fehlbildungen ließen sich vermeiden - doch für die meisten Frauen ist Folsäure-Prophylaxe ein Fremdwort



Von Christiane Inholte


Prophylaxe kann so einfach sein: Mit etwa 400 µg Folsäure pro Tag für mindestens vier Wochen vor und zwölf Wochen nach Beginn einer Schwangerschaft können Neuralrohrdefekte bei Kindern verhindert werden. In Deutschland empfehlen Fachgesellschaften seit mehr als zehn Jahren eine perikonzeptionelle Folsäure-Prophylaxe. Trotzdem nimmt die Zahl der Fehlbildungen nicht ab. Denn nur wenige Frauen schützen tatsächlich ihr Ungeborenes durch eine Supplementierung.

Der Bundesrat will, dass Kassen die Supplementierung bezahlen


Aus diesem Grund hat der Bundesrat Ende vergangenen Jahres den Beschluss gefasst, den Bundestag zur Verbesserung der Folsäure-Versorgung aufzufordern. Die drei wichtigsten Beschlüsse des Bundesrates sind:
  • Die Bundesregierung soll die Bevölkerung durch Informationskampagnen über die Folgen von Folsäuremangel aufklären - mit Schwerpunkt auf die Gefahr von Folsäuremangel in der Frühschwangerschaft.
  • Derzeit übernehmen die Krankenkassen die Kosten für die Folsäuresupplementierung nur dann, wenn eine Mutter schon ein Kind mit Neuralrohrdefekt geboren hat. Der Bundesrat fordert eine generelle Kostenübernahme der Prophylaxe für mindestens vier Wochen vor bis zwölf Wochen nach der Empfängnis.
  • Weiterhin schlägt der Bundesrat Verhandlungen mit der Industrie vor: In den Beipackzetteln der Empfängnisverhütungsmittel sollte vermerkt werden, dass beim Absetzen der Präparate und bei Kinderwunsch auf eine ausreichende Folsäurezufuhr zu achten ist.

Gründe für den Beschluss sind etwa Zahlen wie die aus Sachsen-Anhalt: 2004 wurde dort bei einem von 972 Neugeborenen oder Aborten eine Spina bifida festgestellt. In den Jahren 1994 bis 2003 war das nur bei einem von 1824 Neugeborenen oder Aborten der Fall, geht aus dem Jahresbericht des Fehlbildungsmonitoring Sachsen-Anhalt hervor. Nach Schätzungen der Uni Mainz kommen pro Jahr in Deutschland etwa 1600 Babys mit solchen Fehlbildungen zur Welt.
Folsäure-Mangel wird zudem mit anderen Fehlbildungen in Verbindung gebracht. So hat eine aktuelle Fall-Kontroll-Studie ergeben, dass ein Mangel in der Frühschwangerschaft Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten zur Folge haben kann.
Für diese Studie haben Kollegen in Norwegen mehr als fünf Jahre die Daten von Neugeborenen dokumentiert (BMJ Online). Ausgewertet wurden letztlich Angaben zu 573 Neugeborenen mit Lippen- oder Gaumen-Spalte und von 763 gesunden Säuglingen. Ergebnis: Das Risiko für eine Lippen- oder Gaumen-Spalte ist um etwa ein Drittel reduziert, wenn Schwangere täglich mindestens 400 µg Folsäure einnehmen.
Nach Angaben des Ernährungsberichts 2000 nehmen aber nur 55 Prozent der Frauen die empfohlene Folsäuremenge von 400 µg Folsäure pro Tag über die Nahrung ein. Bei Männern sind es immerhin 61 Prozent. In der Schwangerschaft steigt der Verbrauch zudem auf 600 µg - diese Menge nimmt nur jede zehnte Schwangere über Lebensmittel zu sich.
Lebensmittel wie Kohl, Broccoli und Feldsalat, aber auch Fenchel, Spinat, Spargel, Vollkornprodukte, Sauerkraut und Kartoffeln erhalten zwar viel Folsäure; der Körper kann aber nur einen Teil davon verwerten. Außerdem ist Folsäure in Gemüse, Obst und Getreide ausgesprochen hitze- und lichtempfindlich und geht bei langem Kochen der Lebensmittel verloren.

Nur sieben Prozent der Frauen machen Folsäure-Prophylaxe


Der Folsäure-Mangel lässt sich durch die Substitution mit synthetischer Folsäure beheben. Doch Untersuchungen in Sachsen-Anhalt haben ergeben, dass nur sieben Prozent der Frauen mit Kinderwunsch der Folsäure-Prophylaxe nachkommen. Das liegt wohl auch daran, dass die wenigsten schon einmal von Folsäure gehört haben. So hat eine repräsentative Befragung von über 4300 Schülern der Oberstufe in Sachsen-Anhalt ergeben, dass nur 4,5 Prozent der Befragten wussten, dass Folsäure ein Vitamin ist. Nur 0,7 Prozent wussten, dass eine Mangel zu Fehlbildungen führen kann. Hinzu kommt, dass Kollegen Folsäure nur als Privat- oder Grünes Rezept ausstellen können und werdende Mütter die Kosten - sechs bis sieben Euro pro Monat - selbst tragen müssen.

Folsäure im Mehl senkt die Rate von Fehlbildungen


Zur Prophylaxe mit Tabletten gibt es aber auch Alternativen: "Die Folsäure-Versorgung der Bevölkerung könnte am einfachsten verbessert werden, wenn bestimmte Grundnahrungsmittel mit Folsäure angereichert würden, so wie es in vielen Ländern der Welt bereits geschieht", so Professor Berthold Koletzko vom Arbeitskreis "Folsäure und Gesundheit".
In den USA etwa werden bereits seit neun Jahren standardisierte Mehle, Brote, Brötchen, Frühstückscerealien, Reis- und Nudelprodukte zusätzlich mit Folsäure angereichert. Mehrere Studien belegen den Rückgang der Fehlbildungen. So ergab etwa eine Studie, dass die Zahl der Spinae bifidae seit Anreicherung der Nahrungsmittel um 31 Prozent zurückgegangen ist (Teratology 66, 2002, 33). Auch in Kanada gibt es seit Einführung der Nahrungsmittel-Anreicherung einen starken Rückgang von Fehlbildungen. In einer Studie wurden von knapp 337 000 Frauen über 77 Monate Daten erhoben. Die Zahl der Neuralrohrdefekte sank von 1,13 pro 1000 Schwangeren vor der Anreicherung auf 0,58 pro 1000 Schwangere nach dem Zusatz von Folsäure (Lancet 360, 2002, 2047).
Überträgt man diese Zahlen auf Deutschland, könnte nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) pro Jahr 770 Babys das Schicksal einer Behinderung wegen Folsäuremangels erspart bleiben, wenn man Nahrungsmittel mit dem Vitamin anreichert. Die DGE spricht sich deshalb für eine solche Anreicherung in den Bäcker-Mehltypen 550 und 630 aus.

Quelle: Ärzte Zeitung 26.2.07




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Viele Fehlbildungen ließen sich vermeiden - doch für die meisten Frauen ist Folsäure-Prophylaxe ein Fremdwort



Von Christiane Inholte


Prophylaxe kann so einfach sein: Mit etwa 400 µg Folsäure pro Tag für mindestens vier Wochen vor und zwölf Wochen nach Beginn einer Schwangerschaft können Neuralrohrdefekte bei Kindern verhindert werden. In Deutschland empfehlen Fachgesellschaften seit mehr als zehn Jahren eine perikonzeptionelle Folsäure-Prophylaxe. Trotzdem nimmt die Zahl der Fehlbildungen nicht ab. Denn nur wenige Frauen schützen tatsächlich ihr Ungeborenes durch eine Supplementierung.

Der Bundesrat will, dass Kassen die Supplementierung bezahlen


Aus diesem Grund hat der Bundesrat Ende vergangenen Jahres den Beschluss gefasst, den Bundestag zur Verbesserung der Folsäure-Versorgung aufzufordern. Die drei wichtigsten Beschlüsse des Bundesrates sind:
  • Die Bundesregierung soll die Bevölkerung durch Informationskampagnen über die Folgen von Folsäuremangel aufklären - mit Schwerpunkt auf die Gefahr von Folsäuremangel in der Frühschwangerschaft.
  • Derzeit übernehmen die Krankenkassen die Kosten für die Folsäuresupplementierung nur dann, wenn eine Mutter schon ein Kind mit Neuralrohrdefekt geboren hat. Der Bundesrat fordert eine generelle Kostenübernahme der Prophylaxe für mindestens vier Wochen vor bis zwölf Wochen nach der Empfängnis.
  • Weiterhin schlägt der Bundesrat Verhandlungen mit der Industrie vor: In den Beipackzetteln der Empfängnisverhütungsmittel sollte vermerkt werden, dass beim Absetzen der Präparate und bei Kinderwunsch auf eine ausreichende Folsäurezufuhr zu achten ist.

Gründe für den Beschluss sind etwa Zahlen wie die aus Sachsen-Anhalt: 2004 wurde dort bei einem von 972 Neugeborenen oder Aborten eine Spina bifida festgestellt. In den Jahren 1994 bis 2003 war das nur bei einem von 1824 Neugeborenen oder Aborten der Fall, geht aus dem Jahresbericht des Fehlbildungsmonitoring Sachsen-Anhalt hervor. Nach Schätzungen der Uni Mainz kommen pro Jahr in Deutschland etwa 1600 Babys mit solchen Fehlbildungen zur Welt.
Folsäure-Mangel wird zudem mit anderen Fehlbildungen in Verbindung gebracht. So hat eine aktuelle Fall-Kontroll-Studie ergeben, dass ein Mangel in der Frühschwangerschaft Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten zur Folge haben kann.
Für diese Studie haben Kollegen in Norwegen mehr als fünf Jahre die Daten von Neugeborenen dokumentiert (BMJ Online). Ausgewertet wurden letztlich Angaben zu 573 Neugeborenen mit Lippen- oder Gaumen-Spalte und von 763 gesunden Säuglingen. Ergebnis: Das Risiko für eine Lippen- oder Gaumen-Spalte ist um etwa ein Drittel reduziert, wenn Schwangere täglich mindestens 400 µg Folsäure einnehmen.
Nach Angaben des Ernährungsberichts 2000 nehmen aber nur 55 Prozent der Frauen die empfohlene Folsäuremenge von 400 µg Folsäure pro Tag über die Nahrung ein. Bei Männern sind es immerhin 61 Prozent. In der Schwangerschaft steigt der Verbrauch zudem auf 600 µg - diese Menge nimmt nur jede zehnte Schwangere über Lebensmittel zu sich.
Lebensmittel wie Kohl, Broccoli und Feldsalat, aber auch Fenchel, Spinat, Spargel, Vollkornprodukte, Sauerkraut und Kartoffeln erhalten zwar viel Folsäure; der Körper kann aber nur einen Teil davon verwerten. Außerdem ist Folsäure in Gemüse, Obst und Getreide ausgesprochen hitze- und lichtempfindlich und geht bei langem Kochen der Lebensmittel verloren.

Nur sieben Prozent der Frauen machen Folsäure-Prophylaxe


Der Folsäure-Mangel lässt sich durch die Substitution mit synthetischer Folsäure beheben. Doch Untersuchungen in Sachsen-Anhalt haben ergeben, dass nur sieben Prozent der Frauen mit Kinderwunsch der Folsäure-Prophylaxe nachkommen. Das liegt wohl auch daran, dass die wenigsten schon einmal von Folsäure gehört haben. So hat eine repräsentative Befragung von über 4300 Schülern der Oberstufe in Sachsen-Anhalt ergeben, dass nur 4,5 Prozent der Befragten wussten, dass Folsäure ein Vitamin ist. Nur 0,7 Prozent wussten, dass eine Mangel zu Fehlbildungen führen kann. Hinzu kommt, dass Kollegen Folsäure nur als Privat- oder Grünes Rezept ausstellen können und werdende Mütter die Kosten - sechs bis sieben Euro pro Monat - selbst tragen müssen.

Folsäure im Mehl senkt die Rate von Fehlbildungen


Zur Prophylaxe mit Tabletten gibt es aber auch Alternativen: "Die Folsäure-Versorgung der Bevölkerung könnte am einfachsten verbessert werden, wenn bestimmte Grundnahrungsmittel mit Folsäure angereichert würden, so wie es in vielen Ländern der Welt bereits geschieht", so Professor Berthold Koletzko vom Arbeitskreis "Folsäure und Gesundheit".
In den USA etwa werden bereits seit neun Jahren standardisierte Mehle, Brote, Brötchen, Frühstückscerealien, Reis- und Nudelprodukte zusätzlich mit Folsäure angereichert. Mehrere Studien belegen den Rückgang der Fehlbildungen. So ergab etwa eine Studie, dass die Zahl der Spinae bifidae seit Anreicherung der Nahrungsmittel um 31 Prozent zurückgegangen ist (Teratology 66, 2002, 33). Auch in Kanada gibt es seit Einführung der Nahrungsmittel-Anreicherung einen starken Rückgang von Fehlbildungen. In einer Studie wurden von knapp 337 000 Frauen über 77 Monate Daten erhoben. Die Zahl der Neuralrohrdefekte sank von 1,13 pro 1000 Schwangeren vor der Anreicherung auf 0,58 pro 1000 Schwangere nach dem Zusatz von Folsäure (Lancet 360, 2002, 2047).
Überträgt man diese Zahlen auf Deutschland, könnte nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) pro Jahr 770 Babys das Schicksal einer Behinderung wegen Folsäuremangels erspart bleiben, wenn man Nahrungsmittel mit dem Vitamin anreichert. Die DGE spricht sich deshalb für eine solche Anreicherung in den Bäcker-Mehltypen 550 und 630 aus.

Quelle: Ärzte Zeitung 26.2.07