Mainz - Wenn Paare aus biologischen oder psychischen Gründen keinen Nachwuchs bekommen können, ist dies oft eine große Belastung. Nach einer Studie des Allensbacher Instituts für Demoskopie hätte es sogar jeder dritte Kinderlose in Deutschland gerne anders.
Hier kann das Mainzer Kinderwunsch Zentrum unter der Leitung von Robert Emig helfen, eine von vier Anlaufstellen dieser Art in Rheinland-Pfalz. In Emigs Wartezimmer liegen Hoffnung und Verzweiflung dicht beieinander. Rund 1500 Paare haben er und seine Kollegen seit der Gründung des Kinderwunsch Zentrums 2004 beraten und etwa 350 Kindern ins Leben verholfen. Am Beginn der Therapie stehen in der Regel mehrere Gespräche und medizinische Tests, um herauszufinden, woran genau der Kinderwunsch bislang scheiterte. Häufig helfen schon Hormone; wenn nicht, kommen verschiedene Methoden der künstlichen Befruchtung zum Zuge. Glückt die Therapie, sind Vater und Mutter in den allermeisten Fällen auch die biologischen Eltern. Auf den Einsatz von Samenbanken greift Kinderwunschdoktor Emig selten zurück.
«Die Ursachen für den unerfüllten Kinderwunsch sind vielfältig», sagt er. Psychische Gründe würden dabei überbewertet, tatsächlich hätten die meisten Schwierigkeiten eine körperliche Ursache. «Raucher haben mehr Probleme, sich fortzupflanzen, auch das Gewicht spielt eine Rolle. Sehr dicke und dünne Menschen haben schlechtere Chancen.» Daneben könnten auch bestimmte Medikamente die Fruchtbarkeit hemmen. Die Hauptursache sieht Emig allerdings in einer generell älter werdenden Gesellschaft. «Familiengründung wird heute als planbar empfunden. Viele Menschen warten mehrere Beziehungen ab, bis sie sicher sind, den idealen Partner für eine Familie gefunden zu haben.»
Mit steigendem Alter nehmen fruchtbarkeitsmindernde Erkrankungen zu, beispielsweise komme es vermehrt zu Eileiterentzündungen. Das Alter sei daher das Fortpflanzungshemmnis Nummer eins, warnt Emig: «Viele denken, dass eine Schwangerschaft erst ab 40 kompliziert wird, aber bereits ab 35 spricht man von Risikoschwangerschaften.» Die Wahrscheinlichkeit einer Fehlgeburt oder das Risiko, ein krankes Kind zur Welt zu bringen, steige ebenso an wie das der Unfruchtbarkeit.
Bei den Paaren, die ins Mainzer Kinderwunsch Zentrum kommen, sind die Gründe für die Kinderlosigkeit nahezu gleich verteilt: In jeweils 30 Prozent der Fälle liegt es entweder am Mann oder an der Frau, bei weiteren 25 Prozent an beiden, bei 15 Prozent finden die Experten keine Ursache. Jedem fünften Paar mit Kinderwunsch in Deutschland kann fortpflanzungsmedizinisch nicht geholfen werden. Muss der Wunsch dann für immer begraben werden? Nicht unbedingt, meint der Arzt: «Ich habe schon erlebt, dass Frauen nach Abbruch der Therapie plötzlich schwanger geworden sind.»
Dennoch ist es für Emig wichtig, ehrlich zu bleiben: «Man sollte lieber eine negative Einschätzung abgeben, als immer wieder schlechte Nachrichten überbringen zu müssen.» Obwohl er es selten erlebt, dass Paare zu anderen Ärzten wechseln, weil sie die wenig aussichtsreiche Situation nicht wahrhaben wollen, herrsche ein regelrechter Kinderwunsch-Tourismus - auch ins benachbarte Ausland, weil hierzulande die Möglichkeiten künstlicher Befruchtung stark reglementiert seien. Im Gegensatz zu seinen Kollegen in Holland ist es Emig zum Beispiel nicht erlaubt, zu prüfen, ob ein befruchtetes Ei überhaupt einnistungsfähig ist.
«Die Nächsten, bitte!» Robert Emig begrüßt in seinem Behandlungszimmer ein weiteres Paar, das zumindest eine Hürde schon genommen hat: die Hemmung, überhaupt medizinische Hilfe zu suchen. Er erlebt oft, dass Kinderlosigkeit von seinen Patienten als Tabu empfunden wird, manche schämen sich regelrecht, kaum jemand spricht im Freundeskreis darüber. Dabei haben Studien gezeigt, dass gerade «Kinderwunsch-Eltern» ihren Nachwuchs besonders liebevoll aufziehen.

VON URSULA WINKLER, 13.12.07




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Mainz - Wenn Paare aus biologischen oder psychischen Gründen keinen Nachwuchs bekommen können, ist dies oft eine große Belastung. Nach einer Studie des Allensbacher Instituts für Demoskopie hätte es sogar jeder dritte Kinderlose in Deutschland gerne anders.
Hier kann das Mainzer Kinderwunsch Zentrum unter der Leitung von Robert Emig helfen, eine von vier Anlaufstellen dieser Art in Rheinland-Pfalz. In Emigs Wartezimmer liegen Hoffnung und Verzweiflung dicht beieinander. Rund 1500 Paare haben er und seine Kollegen seit der Gründung des Kinderwunsch Zentrums 2004 beraten und etwa 350 Kindern ins Leben verholfen. Am Beginn der Therapie stehen in der Regel mehrere Gespräche und medizinische Tests, um herauszufinden, woran genau der Kinderwunsch bislang scheiterte. Häufig helfen schon Hormone; wenn nicht, kommen verschiedene Methoden der künstlichen Befruchtung zum Zuge. Glückt die Therapie, sind Vater und Mutter in den allermeisten Fällen auch die biologischen Eltern. Auf den Einsatz von Samenbanken greift Kinderwunschdoktor Emig selten zurück.
«Die Ursachen für den unerfüllten Kinderwunsch sind vielfältig», sagt er. Psychische Gründe würden dabei überbewertet, tatsächlich hätten die meisten Schwierigkeiten eine körperliche Ursache. «Raucher haben mehr Probleme, sich fortzupflanzen, auch das Gewicht spielt eine Rolle. Sehr dicke und dünne Menschen haben schlechtere Chancen.» Daneben könnten auch bestimmte Medikamente die Fruchtbarkeit hemmen. Die Hauptursache sieht Emig allerdings in einer generell älter werdenden Gesellschaft. «Familiengründung wird heute als planbar empfunden. Viele Menschen warten mehrere Beziehungen ab, bis sie sicher sind, den idealen Partner für eine Familie gefunden zu haben.»
Mit steigendem Alter nehmen fruchtbarkeitsmindernde Erkrankungen zu, beispielsweise komme es vermehrt zu Eileiterentzündungen. Das Alter sei daher das Fortpflanzungshemmnis Nummer eins, warnt Emig: «Viele denken, dass eine Schwangerschaft erst ab 40 kompliziert wird, aber bereits ab 35 spricht man von Risikoschwangerschaften.» Die Wahrscheinlichkeit einer Fehlgeburt oder das Risiko, ein krankes Kind zur Welt zu bringen, steige ebenso an wie das der Unfruchtbarkeit.
Bei den Paaren, die ins Mainzer Kinderwunsch Zentrum kommen, sind die Gründe für die Kinderlosigkeit nahezu gleich verteilt: In jeweils 30 Prozent der Fälle liegt es entweder am Mann oder an der Frau, bei weiteren 25 Prozent an beiden, bei 15 Prozent finden die Experten keine Ursache. Jedem fünften Paar mit Kinderwunsch in Deutschland kann fortpflanzungsmedizinisch nicht geholfen werden. Muss der Wunsch dann für immer begraben werden? Nicht unbedingt, meint der Arzt: «Ich habe schon erlebt, dass Frauen nach Abbruch der Therapie plötzlich schwanger geworden sind.»
Dennoch ist es für Emig wichtig, ehrlich zu bleiben: «Man sollte lieber eine negative Einschätzung abgeben, als immer wieder schlechte Nachrichten überbringen zu müssen.» Obwohl er es selten erlebt, dass Paare zu anderen Ärzten wechseln, weil sie die wenig aussichtsreiche Situation nicht wahrhaben wollen, herrsche ein regelrechter Kinderwunsch-Tourismus - auch ins benachbarte Ausland, weil hierzulande die Möglichkeiten künstlicher Befruchtung stark reglementiert seien. Im Gegensatz zu seinen Kollegen in Holland ist es Emig zum Beispiel nicht erlaubt, zu prüfen, ob ein befruchtetes Ei überhaupt einnistungsfähig ist.
«Die Nächsten, bitte!» Robert Emig begrüßt in seinem Behandlungszimmer ein weiteres Paar, das zumindest eine Hürde schon genommen hat: die Hemmung, überhaupt medizinische Hilfe zu suchen. Er erlebt oft, dass Kinderlosigkeit von seinen Patienten als Tabu empfunden wird, manche schämen sich regelrecht, kaum jemand spricht im Freundeskreis darüber. Dabei haben Studien gezeigt, dass gerade «Kinderwunsch-Eltern» ihren Nachwuchs besonders liebevoll aufziehen.

VON URSULA WINKLER, 13.12.07




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Hier kann das Mainzer Kinderwunsch Zentrum unter der Leitung von Robert Emig helfen, eine von vier Anlaufstellen dieser Art in Rheinland-Pfalz. In Emigs Wartezimmer liegen Hoffnung und Verzweiflung dicht beieinander. Rund 1500 Paare haben er und seine Kollegen seit der Gründung des Kinderwunsch Zentrums 2004 beraten und etwa 350 Kindern ins Leben verholfen. Am Beginn der Therapie stehen in der Regel mehrere Gespräche und medizinische Tests, um herauszufinden, woran genau der Kinderwunsch bislang scheiterte. Häufig helfen schon Hormone; wenn nicht, kommen verschiedene Methoden der künstlichen Befruchtung zum Zuge. Glückt die Therapie, sind Vater und Mutter in den allermeisten Fällen auch die biologischen Eltern. Auf den Einsatz von Samenbanken greift Kinderwunschdoktor Emig selten zurück.
«Die Ursachen für den unerfüllten Kinderwunsch sind vielfältig», sagt er. Psychische Gründe würden dabei überbewertet, tatsächlich hätten die meisten Schwierigkeiten eine körperliche Ursache. «Raucher haben mehr Probleme, sich fortzupflanzen, auch das Gewicht spielt eine Rolle. Sehr dicke und dünne Menschen haben schlechtere Chancen.» Daneben könnten auch bestimmte Medikamente die Fruchtbarkeit hemmen. Die Hauptursache sieht Emig allerdings in einer generell älter werdenden Gesellschaft. «Familiengründung wird heute als planbar empfunden. Viele Menschen warten mehrere Beziehungen ab, bis sie sicher sind, den idealen Partner für eine Familie gefunden zu haben.»
Mit steigendem Alter nehmen fruchtbarkeitsmindernde Erkrankungen zu, beispielsweise komme es vermehrt zu Eileiterentzündungen. Das Alter sei daher das Fortpflanzungshemmnis Nummer eins, warnt Emig: «Viele denken, dass eine Schwangerschaft erst ab 40 kompliziert wird, aber bereits ab 35 spricht man von Risikoschwangerschaften.» Die Wahrscheinlichkeit einer Fehlgeburt oder das Risiko, ein krankes Kind zur Welt zu bringen, steige ebenso an wie das der Unfruchtbarkeit.
Bei den Paaren, die ins Mainzer Kinderwunsch Zentrum kommen, sind die Gründe für die Kinderlosigkeit nahezu gleich verteilt: In jeweils 30 Prozent der Fälle liegt es entweder am Mann oder an der Frau, bei weiteren 25 Prozent an beiden, bei 15 Prozent finden die Experten keine Ursache. Jedem fünften Paar mit Kinderwunsch in Deutschland kann fortpflanzungsmedizinisch nicht geholfen werden. Muss der Wunsch dann für immer begraben werden? Nicht unbedingt, meint der Arzt: «Ich habe schon erlebt, dass Frauen nach Abbruch der Therapie plötzlich schwanger geworden sind.»
Dennoch ist es für Emig wichtig, ehrlich zu bleiben: «Man sollte lieber eine negative Einschätzung abgeben, als immer wieder schlechte Nachrichten überbringen zu müssen.» Obwohl er es selten erlebt, dass Paare zu anderen Ärzten wechseln, weil sie die wenig aussichtsreiche Situation nicht wahrhaben wollen, herrsche ein regelrechter Kinderwunsch-Tourismus - auch ins benachbarte Ausland, weil hierzulande die Möglichkeiten künstlicher Befruchtung stark reglementiert seien. Im Gegensatz zu seinen Kollegen in Holland ist es Emig zum Beispiel nicht erlaubt, zu prüfen, ob ein befruchtetes Ei überhaupt einnistungsfähig ist.
«Die Nächsten, bitte!» Robert Emig begrüßt in seinem Behandlungszimmer ein weiteres Paar, das zumindest eine Hürde schon genommen hat: die Hemmung, überhaupt medizinische Hilfe zu suchen. Er erlebt oft, dass Kinderlosigkeit von seinen Patienten als Tabu empfunden wird, manche schämen sich regelrecht, kaum jemand spricht im Freundeskreis darüber. Dabei haben Studien gezeigt, dass gerade «Kinderwunsch-Eltern» ihren Nachwuchs besonders liebevoll aufziehen.

VON URSULA WINKLER, 13.12.07